NSU-Prozess | 127. Verhandlungstag: Tino Brandt

Wie bereits im vorherigen Artikel erwähnt, war heute Tino Brandt im NSU-Prozess geladen. Wir haben ja bereits auf die Artikel von Katharina König zu Brandt verwiesen. An dieser Stelle noch kurz die wichtigsten Fakten über Brandt:

Tino Brandt – ein kurzer Abriss

Tino Brandt war/ist seit Anfang der 1990er Jahre in der Naziszene aktiv und hat sich zu einem der wichtigsten Nazikader mit Schwerpunkt Anti-Antifa in Thüringen entwickelt. Unter anderem war er stellvertretender Landesvorsitzender der NPD und Mitinitiator sowie führender Kopf des „Thüringer Heimatschutzes“.
2001 wurde Tino Brand durch die Thüringer Allgemeine als V-Mann enttarnt. Insgesamt erhielt Brandt Geldbeträge in sechsstelliger Höhe. Unter anderem soll er im Jahr 2000 vom Thüringischen Landesamt für Verfassungschutz 2000 DM erhalten haben, um sie an den NSU weiter zu reichen. Diese sollten sich damit neue Pässe kaufen. Nach Angaben des LaV Thüringen sollte damit dem NSU auf die Spur gekommen werden. Der vermeintliche Unterstützer des NSU, André Kapke, sagte aus, dass Brandt ein aktiver Unterstützer des NSU gewesen sei.
Ob er nach seinem Auffliegen als V-Mann noch in der Naziszene aktiv war, ist nicht bekannt. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass er auch in den letzten Jahren noch aktiv gewesen ist.

Aktuell befindet sich Brandt in Untersuchungshaft in der JVA Gera. Ihm wird vorgeworfen sich der „Prostitution von Kindern und Jugendlichen“ schuldig gemacht zu haben. Das Verfahren wegen dieser Vorwürfe ist noch nicht eröffnet.

 127. Verhandlungstag im NSU-Prozess in München

Der Prozesstag beginnt damit, dass der Zeuge Tino Brandt über seinen politischen Werdegang berichtet – Erst Anti-Antifa, dann der Thüringer Heimatschutz und die NPD. Im Zusammenhang mit dem Thüringer Heimatschutz nennt er sich selber einen Mitinitiator.
Zum ersten mal vom NSU erfahren habe er von André Kapke. Er beschreibt die drei als ein eingeschworenes Trio, dass sich elitär verhalten und abgeschottet habe. Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt berichtet er, seien mit ihm befreundet gewesen. Er habe den NSU vor allem mit Geld unterstützt. Geld aus Spenden, dem Verkauf des Spiels Progropoly und mit Geldern des Verfassungsschutzes – oder wie er sagt: Geld „das der Freistaat Thüringen gespendet hat“. Die Frage, ob einmal 1000-2000 DM für das Trio bestimmt gewesen wären, bejaht er, könne sich allerdings nicht daran erinnern, ob damit Pässe gekauft werden sollten.
Über das Trio berichtet er durchweg positiv. Mundlos sei ein „wirklich lustiger Typ“ gewesen, der sich wie er selbst als Nationaler Sozialist verstand. Böhnhardt sei eher ein ruhiger Typ mit Interesse an Waffen gewesen – aber kein Waffennarr.
Am Interessantesten ist jedoch, was er zu Zschäpe zu berichten hat. Sie sei „keine dumme Hausfrau“, sondern war an politischen Aktionen beteiligt und kenne sich mit „NS-Themen“ und dem Germanentum aus. „Ein Mädchen, das in Ordnung war“. Also keine Spur der zurückhaltenden Person, die an allem nicht beteiligt gewesen sei.
Zum Ende des Verhandlungstages berichtet er, dass er seine Arbeit für den VS bereue, weil es ihm das Leben zerstört habe. Durch sein Auffliegen als V-Mann sei auch seine Freundschaft zu den beiden Uwe und Zschäpe zerbrochen.

Die Befragung wird am Nachmittag von Richter Götzl beendet und morgen fortgesetzt.

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