NSU Prozess | 135. Verhandlungstag: Die Fragezeichen um Andreas Temme

Gegenstand des 135. Verhandlungstages im NSU Prozess in München ist der Mord an Halit Yozgat in Kassel und die Rolle des Verfassungsschützers Andreas Temme.
Während Halit Yozgat in dem Internetcafe seines Vaters ermordet wurde, war besagter Andreas Temme anwesend, will aber von dem Mord nichts mitbekommen haben – obwohl er sich nur wenige Meter entfernt befunden hatte.

Dazu kommt, dass er sich noch vor Eintreffen der Polizei vom Tatort entfernte und sich auch auf Zeugengesuche nicht gemeldet hat. Das er anwesend war, wurde erst aufgrund von anderen Zeugenaussagen herausgefunden, weswegen er auch kurzzeitig als Tatverdächtiger galt.

Es wurden mehrere Untersuchungen durchgeführt, um herauszufinden ob der Verfassungsschützer nichts von dem Mord mitbekommen haben kann: Beispielsweise ob Temme das Geschäft verlassen haben kann, ohne das Opfer hinter dem Tresen zu sehen. Dies behauptet er nämlich ebenfalls. Die Untersuchungen konnten nicht vollständig ausschließen, dass er von all dem nichts mitbekommen hat – dafür müssten aber eine ganze Reihe an Zufällen zusammen kommen.

Der ganze Komplex Temme weist diverse Unklarheiten und eine große Menge Zufälle auf, weswegen in München, nachdem Andreas Temme selbst bereits ausgesagt hat, zwei Zeugen des BKA zu diesem Fall vernommen wurden.

In den Befragungen ging es vor allem um die Zusammenarbeit zwischen dem Verfassungsschutz und der Polizei, die in dem Mordfall ermittelte. Die beiden vernommenen Beamten beklagten sich über eine mangelnde Kooperationsbereitschaft des Landesamtes für Verfassungsschutz Hessen. Einer der Ermittler sagte aus, dass ihn der Fall kein keine Ruhe lasse und er nicht verstehe, warum Temme möglicherweise Informationen zurückhält.

Ein Schwerpunkt der Befragung stellte ein Telefonat dar, welches Temme wenige Minuten vor dem Mord an Halit Yozgat mit einem von ihm geführten V-Mann aus der Naziszene geführt hat. Dieser sollte von der Polizei befragt werden und der Verfassungsschutz hat dieses untersagt. Begründet wurde dies, nach Aussage des geladenen BKA-Beamten, damit, dass damit die Quelle verbrannt wäre. Und das Landesamt wollte diese Quelle anscheinend unter keinen Umständen verlieren. Zitat: „Sonst müsste man nur eine Leiche vor einen V-Mann-Führer legen, um den ganzen Verfassungsschutz lahmzulegen“ Entschieden wurde das anscheinend im Auftrag von Volker Bouffier, dem damaligen hessischen Innenminister.

Eine weitere Auffälligkeit ist, dass Temme bevor diese Information der Öffentlichkeit zugänglich war, einer Kollegin gegenüber erwähnt haben soll, dass der Mord mit der Ceska 83 begangen wurde, mit der auch die anderen Opfer erschossen wurden. Dieser Umstand legt nahe, dass Temme vor Ort gesehen hat, mit welcher Waffe das Opfer Halit Yozgat erschossen wurde.
Die besagte Kollegin war bereits im Prozess geladen und hat ausgesagt, dass sie sich nach all der Zeit nicht mehr sicher ist, wann genau sie dieses Gespräch geführt hat und das es vielleicht auch erst nach der Veröffentlichung der Informationen stattgefunden haben könnte.

Der Nebenklageanwalt Bliwier fasste es eigentlich noch einmal sehr gut zusammen, in dem er sagte, dass der hessische Verfassungsschutz die Ermittlungen der Polizei massiv behindert hat und das Andreas Temme relativ offensichtlich Informationen zurückhält. Über die Gründe kann nur spekuliert werden.

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